Donnerstag, 8. Dezember 2011

Oh, Du fröhliche...

Reaktionen: 
Neulich, wieder mal ein Meeting. Ein Kollege von mir, Projektmanager mit Ambitionen, vermerkt, wie wichtig sein Projekt doch sei. Mittelmaßmama kaut gelangweilt auf ihrem Bleistift herum. Dann aber:
"... Und deshalb", vervollkommnet er seine Rede, " benötige ich Unterstützung."

Der Bleistift schmeckt auf einmal fade. Hier gilt es aufzupassen, flüstert mein Instinkt. Und richtig, mein Kollege setzt seine Rede fort: "Deshalb habe ich schon mal recherchiert. Und möchte zwei Kollegen empfehlen, die besonders geeignet sind, mich zu unterstützen." Mittelmaßmama ist wach! Mein Kollege führt ambitioniert zwei Namen vor, erläutert Kompetenzen. In meinem Hirn rattert es derweil: Wonach der gute Mann die Auswahl wohl getroffen hat? Bald macht sein Vortrag mich klüger:

1. Aha, zwei halbwegs kompetente Menschen hat er ausgewählt,
2. mir aus seinem näheren Umfeld bekannt,
3. tüchtig aber nicht besser als er.
4. Und vor allem: Ihm gegenüber absolut loyal.
5. Die ideale Unterstützung, die ihm zum Chef aufsteigen läßt, ohne ihn zu blamieren oder ihn in seiner Position jemals anzugreifen.
6. Und für die er deshalb alles wegbeißen würde, was wir ihm an anderen Vorschlägen zu machen wagen könnten.

Tja, Jungs, Mädels und Mama-nager. So wird eben Karriere gemacht. Der erste verkauft seine Arbeit als wichtig, bekommt Mitarbeiter, und der Klügere unter ihnen springt irgendwann auf diesen Zug auf, was dem Ersten noch mehr Führung einbringt. Böse Menschen könnten das als Schneeballprinzip bezeichnen. Gewiefte würden nicht drüber reden, sondern es genauso machen, und in ihre engere Wahl immer eine(n) aufnehmen, von dem sie wissen, dass er eines Tages auch oh fröhlich mit Schneebällen werfen wird...

3 Kommentare:

  1. Und hat der Kollege bekommen, was er wollte?

    AntwortenLöschen
  2. Sehr gut beobachtet und noch treffender beschrieben, liebe Mittelmaßmama! Ich finde, es stehen nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl: das Spiel nach diesen Regeln mitspielen, wenn man Karriere im herkömmlichen Sinne machen möchte oder sich innerlich schmunzelnd zurücklehnen und sein Ego möglichst wenig von diesen Dingen abhängig machen. Wären die Positionen für dich interessant gewesen?

    AntwortenLöschen
  3. Mittelmaßmama lehnt sich - so kurz vor Weihnachten - entspannt zurück und beobachtet das Spiel. Dabei ist ihr ein weiterer Karriereschneeball aufgefallen:

    - Bevor Du verkündest, wie wichtig Dein Job ist und wen Du als Mitarbeiter im (Deinem )neuen Team haben möchtest, sorge dafür, dass Du bereits im Vorfeld in Deinem Netzwerk, das mit dem Thema zu tun hat, möglichst viele Unterstützer hast. Oder die Rudelführer auf Deine Seite bringst. Dann traut sich keiner mehr, zu widersprechen; selbst wenn die Gegenargumente schlagkräftig sein sollten.

    PS: Das ist der Grund, warum besagter Kollege auf seine Führungsposition noch wartet, wie meine Kinder auf den Schnee. Er hat im Vorfeld zu wenig Fürsprecher aktiviert. Und jetzt streiten sich die Parteien.

    Oh, Du friedliche WEihnachtszeit...

    AntwortenLöschen