In der Presse begegnen sie mir immer wieder. Diese Supermütter, die mir Komplexe machen. Ursula von der Leyen, Heidi Klum, Angelina Jolie. Sie verstehen es, Karriere mit Kind zu vereinen. Wie auch die Kollegin von mir, die mal eben Nachwuchs in die Welt gesetzt hat und nach einer Auszeit von 6 Monaten voll in den Beruf zurück gekehrt ist. In Führungsposition, selbstverständlich. Ihr Chef hat zwar noch versucht, sie während der Schwangerschaft durch einen anderen zu ersetzen. Sie jedoch hat ihn kurz gefragt, welche Außenwirkung das wohl fürs Unternehmen hätte, wenn Schwangerschaft zu Frauendiskriminerung führen würde. Seitdem traut sich keiner mehr an ihren Posten ran.
All diese Frauen sind keine Weicheier wie ich, die mit zwei Kindern, Haus, Job und Vorweihnachtszeit schon baden gehen. Sie verstehen es, Kind und Karriere zu vereinen. Kind? Kinder! Daneben muss Mittelmaßmama ja nicht nur alt sondern faltig aussehen. Sagt mir das Klischee. Da Klischees aber dazu da sind, identifiziert, genauer betrachtet und analysiert zu werden, holt Mittelmaßmama mal schnell die Lupe hervor. Was haben die denn nun, was ich nicht habe? Was machen sie in punkto Familie und Beruf besser als ich? Auf einmal sehe ich Fragezeichen. Viele Fragezeichen. Einen ganzen Wald davon.
Fangen wir mit Heidi Klum an. Oder Claudia Schiffer, Pink, oder wie sie alle heißen. Eines haben sie, was ich nicht hatte: Eine Karriere vor Geburt der Kinder. Vor allem aber hatten sie eine Karriere, die Kohle in die Kassen spült. Was gleichzeitig die Putzfrau und die optimale Kinderbetreuung sicher stellt. Wenn ich mir vorstelle, wie erleichtert ich noch zu den Zeiten war, als mir meine Putzperle einmal in der Woche für drei Stunden unter die Arme griff! (Bis sie mir von einer freundlichen, zahlungskräftigeren Mitmama abgeworben wurde...) Solch einen Luxus jeden Tag, und es gäbe genügend Zeit für etwas mehr Arbeit und mehr mit den Kindern spielen.
Aber ich will nicht jammern. Ich nehme mir lieber Ursula oder Victoria Beckham vor. Beide kommen aus einem guten Stall. Vor allem, wenn es um die Kontakte und Reputation geht. Mit denen wäre es für viele von uns leichter, die Karriereleiter von der Stufe, auf der wir jetzt sind, ein Stückchen höher zu klettern.
Ja, ich bin schon ein neidisches Wesen. Könnte jetzt meine Kollegin mit Fug und Recht behaupten, die mir direkt vor meinen Augen beweist, wie einfach Kind & Karriere sind. Während sie stolz erhobenen Hauptes durch Büros und Meetings marschiert, und ich im Kollegenkreis als frustiere Neiderin gelte, hütet allerdings bei ihr der Mann die Brut. Da sie mehr verdiente, hat er die restlichen Jahre der Elternzeit eingereicht und wird danach in Teilzeit gehen.
Tja, und damit sind wir bei des Pudels Kern. So langsam wird in mir nämlich aus Verdacht Gewissheit: Darüber, dass all diese Paradefrauen Kind und Karriere wohl doch nicht so vereinen, wie wir - der mittelmäßige Mutterrest - es gerne hätten und auch bräuchten, damit man unsere Kompetenzen sieht. Denn auch wenn sie wie wir Nachtschichten an Kinderbetten schieben. Pausenbrote schmieren oder die Kinder zum Sport chauffieren. Sie sind nicht gezwungen, tagtäglich das volle Programm zu meistern und dafür in jedem, aber auch jeden Bereich in "Teilzeit" zu gehen, was bislang noch als typisch weiblich gilt.
Ob die vermeindlichen Supermütter am Ende weniger Mama-nager als vielmehr Mann-nager sind, indem sie eher ein männliches als ein weibliches Karriereprinzip verfolgen? Was meinen Sie?

Liebste Mittelmaßmama,
AntwortenLöschenauch ich war einmal geneigt voller Bewunderung, wenn nicht sogar Neid auf diese Frauen zu blicken. Aber je älter meine Kinder werden, desto mehr bin ich mit meinem Teilzeitmodell versöhnt. Spätestens in der schwierigen Zeit der Pubertät macht es sich bezahlt, eine Basis zu seinen Kindern aufgebaut zu haben, die frau eben nur mit viel Zeit aufbauen kann, auch wenn von den Supermamis manchmal Gegenteiliges behauptet wird. Außerdem freue ich mich über die vielen schönen Stunden, die ich mit meinen Kindern verbracht habe, denn wenn ich sie dank hohen Gehalts an qualifizierte Betreuung delegieren kann, wozu habe ich sie denn dann in die Welt gesetzt? Zwischenzeitlich hatte ich auch schon mehr gearbeitet, als ich glaubte die Karriere nachholen zu müssen, allerdings um den Preis, dass ich bei den Kindern nicht mehr Ansprechpartner Nummer eins war. Kinder sind aufs Überleben programmiert und wenden sich an den, der öfter da ist und das ist auch gut so. Den Rückstieg in die Teilzeit habe ich mit der "Karriere" im landläufigen Sinn bezahlt, aber das war es mir wert.
Somit bin ich ganz deiner Meinung: Hinfort mit den trüben Gedanken, auch die Supermamis können nicht alles haben, sie haben bloß die Rollen vertauscht!
Auch diese Supermamas zeigen uns nur die 20% ihres Lebens, die sie uns zeigen möchten. Den Rest behalten sie für sich.
AntwortenLöschenWetten, auch jede von denen schliesst sich mal heulend auf dem Klo ein, weil's einfach verd... schwer ist, die Fassade aufrecht zu erhalten wenn einem an jedem Bein ein Teil seiner Deszendenz hängt und brüllend seinen Schnodder loswerden will.
Auch die kochen nur mit Wasser. Evian oder San Pellegrino oder sonst ein Edelwässerchen zwar, aber wenn man's genau anguckt ist und bleibt es H2O!
Herzlichst, die Mama, die keine Zeit hat für gar nichts